Bundesjugendring begrüßt die Debatte über Rentenpolitik

Als ihre Interessensvertretung begrüßt der Deutsche Bundesjugendring, dass in der öffentlichen Debatte die Anliegen junger Menschen an eine nachhaltige Rentenpolitik diskutiert werden. Denn: Rentenpolitik ist Jugendpolitik. Es ist daher ein gutes Zeichen, wenn gerade die jungen Abgeordneten der beiden Koalitionsfraktionen die Interessen von jungen Menschen in den Blick nehmen. Als Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und Landesjugendringe auf Bundesebene sind der DBJR und seine Mitgliedsorganisationen auch und gerade mit den jungen Mitgliedern des Bundestags im stetigen Austausch und freuen sich auf die Vertiefung der Gespräche im Bereich Sozialpolitik und darüber hinaus.

Bundesjugendring fordert nachhaltiges Finanzierungskonzept in der Rentenkommission

Junge Menschen werden in der Rentendebatte allerdings oft nur als Stichwort benutzt, ohne dass ihre Perspektiven anerkannt und berücksichtigt werden. Es besteht die Gefahr, dass Generationenkonflikte nur konstruiert und „Generationengerechtigkeit“ als Schlagwort benutzt wird, ohne genauer auf damit verbundenen komplexen Fragen einzugehen und nach belastbaren Lösungen zu suchen. Statt vereinfachend Gegensätze aufzubauen, muss im Rahmen der Rentenreform eine solidarische Lösung gefunden werden, die eine nachhaltige Stabilisierung sowohl des Rentenniveaus als auch der Beiträge ermöglicht. Entsprechend hat der Bundesjugendring an die Rentenkommission die Erwartung, dass sie mutige Vorschläge zur Rentenfinanzierung vorlegt. Diese sollten nicht zu Lasten der Arbeitnehmer*innen und Rentner*innen gehen, sondern jene stärker in die Verantwortung nehmen, die große Vermögen auf- und ausbauen können. Nur so kann ein zukunftsfestes und für alle faires Rentensystem aussehen.

Intergenerationelle Solidarität statt konstruierte Generationenkonflikte

In der aktuellen Diskussion rund um ein neues Rentenpaket stehen nur einzelne Aspekte Regelungen im Fokus. Gleichzeitig soll eine Rentenkommission bis 2027 umfassende Vorschläge zur Reform des Rentensystems inklusive seiner Finanzierung erarbeiten. Eine Aussage der Regierungskoalition, wie die damit verbundenen Versprechen in Zukunft finanziert werden sollen, gibt es aber noch nicht – insbesondere für die Zeit ab 2032.

Die aktuelle Debatte dreht sich vorrangig um die Verteilung der Mehrkosten auf die Beitragszahler*innen. Die Deutsche Rentenversicherung erwartet für 2028 deutliche Anstiege des Rentenbeitrags von derzeit 18,6 Prozent des Bruttolohns um 1,2 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent und 2029 dann auf 20 Prozent.

Zunehmende finanzielle Belastungen der Beitragszahler*innen sind für viele, v.a. junge Menschen, nicht mehr stemmbar. Dies darf jedoch nicht als Argument gegen eine Sicherung eines ausreichenden Rentenniveaus für alle missbraucht werden. Steigende Kosten können nicht nur durch höhere Beiträge der Arbeitnehmer*innen finanziert werden. Junge Menschen erwarten eine Lösung, die sowohl einen leistbaren Rentenbeitrag als auch eine ausreichende und stabile Rente im Alter ermöglicht.

Verteilungsgerechtigkeit statt vermeintlicher Generationenkonflikte

Die Konflikte bestehen nicht – anders als vielfach dargestellt wird – nicht primär zwischen jungen und älteren Menschen. Sie haben ihre Ursache vielmehr in der ungleichen Verteilung von Wohlstand und Einkommen. Eine Lösung muss daher vor allem auf einer Stärkung der Verteilungsgerechtigkeit basieren. Nur so lassen sich Lebensstandards sichern und Altersarmut wirklich bekämpfen. Echte Generationengerechtigkeit erfordert eine solidarische Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung.

Der Bundesjugendring hat in seiner Position „Generationengerechtigkeit neu denken – Für eine Politik der intergenerationellen Solidarität“ ausgeführt, wie ein gerechter Einbezug der Generationen zu gestalten ist. Echte Generationengerechtigkeit erfordert ein solidarisches Miteinander, das Generationen nicht als Gegensätze sieht, sondern als Verbündete versteht.

Die Finanzierung eines solidarischen und zukunftsfesten Rentensystems ist zweifellos eine Herausforderung. Jugendverbände und -ringe haben hierzu konkrete Vorschläge und bringen die Interessen junger Menschen ein. Der Bundesjugendring hat 2023 in seiner Position „Rente ist Jugendthema – Die gesetzliche Rentenversicherung solidarisch weiterentwickeln“ eine allgemeine Erwerbstätigenversicherung gefordert, in die alle Beschäftigten einzahlen. Zur Finanzierung muss auch ein Bundeszuschuss herangezogen werden, der aus Steuern finanziert wird. Diese sollten auch jene in die Verantwortung nehmen, die große Vermögen auf- und ausbauen können: z.B. durch eine höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften, Unternehmen und Spitzeneinkommen, eine gerechtere Erbschaftssteuer sowie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Die Debatte und das Rentensystem brauchen also weniger konstruierte Konflikte zwischen den Generationen, sondern mehr Mut zu strukturellen und nachhaltigen Reformen, die echte Gerechtigkeit schaffen und Mitverantwortung aller herstellen. Der Bundesjugendring erwartet in diesem Sinne von der Rentenkommission, dass die Perspektiven junger Menschen in einem ganzheitlichen Finanzierungskonzept zur Rentenreform gewürdigt werden.

Themen: Nationale Jugendpolitik Sozialpolitik